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Palmaz winery

und manchmal ist es eine Geschichte, die es wirklich Wert ist, erzählt zu werden.

November 2013 im Napa. Ich war bei verschiedenen „Wineries“ und wie’s im Golden State so ist, gibt es reichlich beeindruckende Weingüter und viel grossartigen Wein.

Per Zufall bekam ich einen Termin bei Palmaz und ich muss zugeben, dass ich von diesem Weingut noch nie gehört hatte, und wenn es nicht Randy Dunn gewesen wäre, der es empfohlen hat, hätte ich womöglich auf den Termin verzichtet.

Die grossen Namen hat man ja alle zumindest schon mal gehört dachte ich und Palmaz war so gar nicht auf meinem Radar.

Um es vorweg zu nehmen: Es ist eine amerikanische Geschichte und die steingewordene, na ja, oder auch nicht, Inkarnation von „live your dream“!

 

Nun aber von Anfang an:

Die Hagen Winery wurde 1881 gegründet und bekam schon 1889 in Paris eine Silbermedaille, aber der Betrieb überlebte die Prohibition nicht und so fiel die winery in einen Dornröschenschlaf. Achtzig Jahre lang!

Die Familie Palmaz war auf der Suche nach einem Heim im Napa Valley und fand das alte Herrschaftshaus von Henry Hagen und kaufte das Anwesen 1996, zunächst des Hauses wegen und dann ging es Schlag auf Schlag:

Bei den dringend nötigen Renovierungsarbeiten fand die Familie was man als „pure gold“ bezeichnen kann, Pflanzrechte für 60 acres (ca. 26 ha), ein Vermögen wert im Napa !

Die Familie Palmaz entschloss sich, den Weinbau ernsthaft zu betreiben, engagierte Berater, analysierte 4900 Bodenproben, definierte 24 Bodentypen und pflanzte 24 Parzellen Cabernet Sauvignon, mit unterschiedlichen Kombinationen von Unterlagen und Klonen in Höhen von 400 bis 1200 Fuss. In drei kleineren, kühleren Parzellen wurde Chardonnay, Muscat und Riesling gepflanzt.

Eine 0/8/15 Napa Valley Geschichte. Bis die Familie Palmaz entschied, keine Pumpen verwenden zu wollen. Gravitation ist ein modernes Zauberwort in der Kellertechnik.

Die Umsetzung ist nicht so einfach, da es viele Arbeitsschritte gibt und man deswegen auch viel Gefälle braucht. Bei Palmaz ging man das Problem gelinde gesagt „anders“ an. Wer Weinberge vom 400 bis 1200 Fuss hat, dem gehört der Berg!

Also hat man den Weinkeller in den Berg verlegt – aber WIE !

Es wurde der grösste unterirdische Weinkeller der Welt gebaut. Der Dom allein hat einen Aushub von 1300 Kubikmetern Gestein. 20 Meter Durchmesser und 18 Meter hoch mit diversen Logistiktunneln und Wagenradförmigen Lagertunnels für die Fässer.

33000 Quadtratmeter und einer Gesammthöhe von 60 Metern – im Inneren des Berges.

Nun war es tatsächlich möglich, alle Arbeitsschritte rein durch Gravitationsfluss zu bewerkstelligen:

Anlieferung der Trauben die nur Nachts gelesen werden in der obersten „Etage“

Entrappung (100%), ein besonders langer Sortiertisch und dann in die Gärtanks.

Für die 24 Parzellen wurden 24 separat steuerbare Gärtanks in einem rotierenden Karussell gebaut, die einzeln unter den Schacht des Sortiertisches fahren.

Von den Gärtanks in die Presse (der Vorlauf wird gesondert vinifiziert) von der Presse in Sedimentationstanks.

Von diesen in die Barriques. Der aufmerksame Leser ist nun im 5 Stock von Oben gerechnet!

und so sieht das dann auch aus:

 

Foto: Stefan Metzner

 

Weiter geht’s in die Barriques (100% französische Eiche), Lagerebene für das erste Jahr und

später in die tiefer gelegene Lagerebene für die Barriques des 2. Jahres.

Von hier aus in die Abfüllanlage – 7. Stock!

Schematisch sieht das dann so aus:

 

Foto: Palmaz Winery

 

Ein Video und weitere Informationen findet man unter https://www.palmazvineyards.com/winery.cfm

 

Getreu dem Motto,

„wie macht man in der Weinindustrie ein kleines Vermögen ?

Man fängt mit einem Grossen an!“

spricht man bei Palmaz nicht über die Investitionssumme, aber der Fakt, dass die Maschine, die den Tunnel von England nach Frankreich grub nach Kalifornien gebracht wurde, um den Berg auszuhöhlen, spricht für sich.

 

Es werden 5 Weine erzeugt:

Riesling; Chardonnay; und Muscat in sehr geringen Mengen (je $ 55,-) und

Cabernet Sauvignon ($ 145,-). Der fünfte Wein ist ein Selektion der besten Parzellen Cabernet Sauvignon mit dem Namen Gaston, der nur in besonderen Jahren erzeugt wird ($ 180,-).

Die Produktion liegt bei 4000 cases / Jahr (= 48000 Flaschen)

Bei diesen Preisen scheint es als ob der Break even in etwa 2214 erreicht werden könnte, aber Profit steht hier nicht an erster Stelle. Herr Palmaz hat sein Vermögen wo anders verdient. Angenehmer Weise mal nicht in der Finanzwelt.

Der Vertrieb erfolgt ausschliesslich innerhalb der USA (ex cellar) über den eigenen Weinclub, was auch dazu beiträgt, dass die Weine hier nicht bekannt sind.

Die Weingutstouren sind, wie könnte es anders sein, perfekt organisiert und sehr informativ. Die Perfomance von Frau Lasso passt völlig zum Konzept – grossartig!

Ein Weingut „State of the Art“ das es sich unbedingt zu besuchen lohnt!

 

Die Weine

Der 2012er Chardonnay hat eine betonte Fruchtaromatik nach Äpfeln, Birnen und Melonen und buttrige Eichennoten, hat einen dezenten Joghurttouch von der MLF und besticht durch seine frische knackige Säurestruktur. Der Alkohol wirkt etwas warm am Gaumen und der Hall ist lange und ausgewogen.

 

2009 Palmaz CS

dichte primärfruchtige und sehr offenen zugängliche Aromenvielfalt; cassisdominiert.

Dichter Körper, weiches, elegantes Tannin, fast seidig am Gaumen. Warm am Gaumen mit langem Hall, guter Balance (Alkohol etwas wärmend) lange und komplex.

 

2010 Palmaz CS

Komplexe Aromatik mit überströmenden, reifen Rotfruchtaromen und deutlichen Vanille- Rauch- und Würznoten.

Dichte verwobene Struktur, voller Körper mit runden eleganten Tanninen und einer frische, gut eingebundenen Säure.

Intensive Vanille und Butteraromen am Gaumen gepaart mit vielschichtigen Fruchtaromen und komplexer Textur, in sich sehr stimmig und herrlich balanciert. Gute Länge im Abgang und deutliches Reifepotential.

Modern, aromatisch, komplex und sehr präzise.

 

Gaston CS

war leider nicht in der Verkostung

 

Palmaz Vineyards
4029 Hagen Road
Napa, CA 94558